Franciacorta

Zu den schönsten Weinstraßen Brescias gehört die Franciacorta-Straße, die durch die sanft gewellten Hügelketten führt, welche das Hinterland des Iseo-Sees prägen. Die Dörfer Borgonato, Colombaro, Nigoline und Timolino bilden den Kern der Franciacorta. Die Rundtour durch das sonnenverwöhnte Weinparadies zieht die Hügel auf und ab und wird zu einer abwechslungsreichen Mischung aus landschaftlichen und kulturellen Erlebnissen, denn das Gebiet der Franciacorta ist reich an Klöstern, Kirchen und Villen. In den Kellereien reifen Rot- und Weißweine, und die Weingüter bieten ihre Weine zur Verkostung an.

Das Weinanbaugebiet Franciacorta bringt Schaumweine in Flaschengärung und Weine hervor.

Mitten in der Lombardei und im Zentrum der dortigen Provinz Brescia liegt das Weinbaugebiet Franciacorta, in den letzten drei bis vier Jahrzehnten eines der erfolgreichsten des Landes. Schon seit über 2000 Jahren werden hier erfolgreich Reben in guter mineralischer Lage und günstigem Klima angebaut, was bereits damals von so bekannten römischen Gelehrten wie Plinius dem Älteren, Columella und Vergil löblich anerkannt wurde. Bis zum erst nationalen und dann internationalen Durchbruch der edlen Tropfen aus diesem Teil der Lombardei sollte es aber noch bis in die 1960er Jahren dauern, erst die kreativen Experimente mit Flaschengärung und Schaumweinen brachte letztlich die Begeisterung und Zufriedenheit der überregionalen Kundschaft. 1967 erhielt die Region die ersehnte Anerkennung durch die begehrte staatliche Auszeichnung „Denominazione di Origine Controllata e Garantita“ (DOCG). Weine dieser höchsten Kategorie besitzen weltweit unter Kennern Popularität. Heutzutage gehören ca. 2000 Hektar zumeist mit Chardonnay, Pinot Blanc und Pinot Noir-Trauben bepflanzte Fläche zu dem Gebiet der zugehörigen und berechtigten 27 Gemeinden und Orte: Adro, Capriolo, Castegnato, Nigoline, Clusane, Timoline, Borgonato, Camignone, Cazzago San Martino, Cellatica, Coccaglio, Cologne, Corte Franca, Erbusco, Gussago, Iseo, Monticelli Brusati, Ome, Ospitaletto, Paderno Franciacorta, Palazzolo sull’Oglio, Paratico, Passirano, Provaglio d‘ Iseo, Rodengo-Saiano und Rovato.

Die meisten der Weinorte und auch einige der bekannten Weingüter (Fabio Cattabiani, Ferghettina, Ricci Curbastro, Monte Rossa, Mosnel, Lantieri, Majolini, Ca‘ del Bosco, Cavalleri, Berlucchi, Contadi Castaldi, Bellavista und Cavalleri) kann man während eines Ausflugs auf der neu geschaffenen touristischen Straße „Strada del Vino Franciacorta“ besichtigen, die, östlich von Brescia beginnend, von Mandolossa über 80 Km bis nach Paratico führt. Selbstverständlich dürfen die Weine in den zahlreichen Restaurants und Weinkellereien auch verkostet und im Hofverkauf käuflich erworben werden. Es lohnt sich – verbergen sie doch nach önologischer Expertenmeinung die Aromen von Zitrusfrüchten, Weißdorn, Honig, Äpfeln, Pfirsich, Lorbeer und mediterranen Kräutern in sich. Eine besondere Schaumwein-Spezialität der Franciacorta ist der sog. „Satèn“, der ganz besonders fein perlt und mit seinem typischen Duft nach hellen Früchten, tropischen Blumen, Honig und Nougat fast schon cremig wirkt.

Außer auf ihre glücklichen Hände bei der Weinherstellung sind die Bewohner der Region natürlich auch auf ihre Jahrtausende alte Kulturgeschichte sehr stolz: Hier siedelten und herrschten schon Etrusker, Kelten, Römer, Lombarden, Karolinger und Venezier, und alle ließen zahlreiche architektonische und künstlerische Spuren zurück. Sehenswert sind zum Beispiel das mittelalterliche Kastell von Capriolo, das Dominikanerkloster „La Santissima“ in Gussago, das Castello Oldofredi im Seeuferstädtchen Iseo, die Abtei des Heiligen Nikolaus aus dem 15. Jahrhundert in Rodengo-Saiano, die Kirche San Giacomo Maggiore in Ospitaletto und die Burgruine Lantieri bei Paratico, die als verfremdete Inspiration in Dantes Göttlicher Komödie auftauchen soll.

Gemäß ihres aus dem kriegerischen Mittelalter stammenden Namens ist die Franciacorta (in etwa „Fränkische Festung“) geradezu mit Burgen, Schlössern und Wehrtürmen übersät. Heute dienen diese aber nicht mehr der militärischen Verteidigung der fruchtbaren und strategisch günstig gelegenen Region, sondern werden meist als Museen, Hotels und große Parkanlagen genutzt. Zu den empfehlenswerten Bauten gehören etwa die Burg von Bornato samt der Villa Orlando in Cazzago San Martino, die auf römischen Fundamenten errichtete Burg von Coccaglio, die lediglich von außen zu besichtigende Burg des Carmagnola in Iseo, die Burg in Paderno Franciacorta aus dem 10. Jahrhundert, die Burg von Passirano mit ihrem streng geometrischen Grundriss, die Ruinen der einstigen römischen Burg von Rovato samt ihrer venezianischen Mauern und der Palazzo Porcellaga sowie die Burg Quistini mit ihrem wunderschönen Rosengarten ebenfalls in Rovato. Auch von Kennern für ihre Baukunst bewunderte Abteien und Klöster finden sich in der Franciacorta, neben der bereits weiter oben erwähnten Anlage in Gussago sind dies das Kloster San Pietro in Lamosa mit dem nahen Naturschutzgebiet der Sebino-Torfgruben, das 1503 fertiggestellte Kloster der Annunciata am Osthang des Monte Orfano in Rovato und die Olivetaner-Abtei San Nicola in Rodengo Saiano aus dem 10. Jahrhundert mit ihrem Eisenmuseum. Weitere sehenswerte Sakralbauten sind etwa die Kirche Santa Maria, die Wallfahrtskirche Madonna della Neve mit dem integrierten Seidenraupenmuseum oder die reich mit Fresken geschmückte Kirche Santa Maria Assunta in Ardro, die Pfarrkirche San Giorgio und die Kapelle Sant’Onofrio in Capriolo, die beiden kleinen Kirchen Santa Giulia und Santo Stefano in Cazzago San Martino, die Wallfahrtskirche Madonna della Stella in Cellatica, die Kirche S. Giovanni Battista in Coccaglio, die romanische Pfarrkirche Santa Maria Maggiore in Erbusco und die Wallfahrtskirche Madonna della Rosa in Monticelli Brusati.

Neben den häufig in kirchlichen Gebäuden untergebrachten Regionalmuseen sind auch die diejenigen interessant, die sich der landwirtschaftlichen und ökonomischen Tradition der Region widmen, so etwa das Landwirtschafts- und Weinmuseum „Ricci Curbastro“ in Capriolo, das Museum der Industrie und Arbeit in Rodengo Saiano und die mittelalterliche Schauschmiede „Maglio Averoldi” im etwas höher gelegenen und sehr idyllischen 3000-Einwohner-Ort Ome. Als heute wie damals beliebte Sommerresidenz vieler adeliger Familien gibt es in der Franciacorta auch zahlreiche prächtige Paläste und Villen, von innen zu besichtigen sind jedoch nur wenige.

 

Informationen | Die informativste Seite bietet das „Consortio della tutella del Franciacorta“, eine Art Genossenschaft für die Franciacorta, (Via G. Verdi 5 in Erbusco) unter www.franciacorta.it. Die Seite ist durchaus auch werblich,  bietet aber so viele Informationen zu Geschichte, Kultur, Wein und anderen Themen rund um die Franciacorta, dass dies hinnehmbar ist. Zusätzlich wird der Weinkeller des Monats präsentiert und auf Veranstaltungen wie Weinproben, Tage der offenen Weinkeller o.ä. hingewiesen.