The Floating Piers – Durchführung

Die Menschenmassen zu lenken, ohne dabei ein Gefühl von Gefahr oder schlechter Organisation aufkommen zu lassen, ist eine Kunst, die die umliegenden Gemeinden und Christos Team meisterlich beherrschten. So sehr man sich auch bemühte, an den Hauptströmen vorbei auf individuellen Wegen an das Kunstwerk zu gelangen, man scheiterte. An alles hatten die Veranstalter gedacht, alle Zufahrtswege in Richtung Sulzano waren von beiden Seiten weitläufig gesperrt.

Strafzettel wurden rigoros ausgestellt.

Nur Anwohner und Hotelgäste mit Nachweis erhielten Zugang. Wie aber konnte man den Veranstaltungsort erreichen? Mit dem Auto? Fast unmöglich; Sulzano, Hauptort der ‚Floating Piers‘, verfügt gerade mal über 60 Parkplätze, die während der Aktionstage als Wartebereich für die Zugfahrer genutzt wurden! Die Anreise mit dem Auto war also so gut wie aussichtslos. Die einzige Möglichkeit, das Fahrzeug abzustellen, war entlang der Zufahrtsstraßen, was aber von freundlichen Polizisten mit EUR 30 quittiert wurde; abgeschleppt wurde nur im Ausnahmefall. Viele Besucher fanden sich mit der Geldbuße ab, kamen sie so doch ein paar hundert Meter näher ans ‚Ziel‘; weiter ging es dann auf den Hauptstraßen zu Fuß; ein sonst selten gesehener Anblick, wie sich Trauben von Menschen von Iseo über Pilzone nach Sulzano auf den Weg machten. Wer trotzdem über die Straße anreisen musste oder wollte, nutzte die Shuttle-Busse, die die Leute im 20-Minuten-Takt von Iseo, Pilzone, Marone und Pisogne aus allen Himmelsrichtungen nach Sulzano brachten. An den Abfahrtsorten waren Parkplätze eingerichtet worden, die meist allerdings nur auf Vorreservierung genutzt werden konnten; alle frei zugänglichen Parkplätze waren mehr oder minder durchgehend belegt. Shuttle-Parkplätze gab es bis weit ins Hinterland hinein, ein Umstand, der sich letztlich als weise herausstellte. Die Busse waren naturgemäß voll und hatten teilweise lange Standzeiten; ebenfalls war der Wartebereich meist überfüllt. Die teilweise hohen Temperaturen setzten manchen Leuten derart zu, dass die Feuerwehr mit Wasserduschen für Kühlung sorgen musste. Passiert ist allerdings nichts, wofür den Veranstaltern ein großes Lob gebührt. Rund um den zentralen Punkt in Sulzano wurden die Wartenden mit Getränken und Imbiss versorgt, mangels Platz war das große ‚Ristoro‘ auf den örtlichen Bolzplatz gleich oberhalb des Bahnhofs verlegt worden.

Tendenziell gestaltete sich die Anreise von Süden her deutlich intensiver; ruhig ging es dagegen von Norden her zu: per Umgehungsstraße nach Marone und Sale Marasino und weiter zu Fuß oder mit dem Shuttle zum Schiffsanleger von Sale Marasino. Karten für die Überfahrt nach Carzano (Monte Isola) waren problemlos erhältlich, einzig der Marsch nach Peschiera Maraglio musste bewältigt werden, war aber in einer halben Stunde locker zu meistern. Eleganter war die Anreise mit dem Schiff: Linienverkehr und zusätzliche Schiffe beförderten die Gäste von fast allen Orten des Sees. Die Schiffe fuhren nach Plan, von Sarnico z.B. in 1‘10 h nach Sensole, der kleinen Anlegestelle auf der Monte Isola. Von Iseo aus ging es nach Sulzano oder Peschiera Maraglio (Monte Isola). Für das Hin- und Zurück-Ticket, das man auch im Vorfeld im Internet bestellen konnte, waren EUR 9 zu bezahlen. Vor allem die frühen Verbindungen waren allerdings schnell ausgebucht, zusätzliche Fahrten gab es keine. Selten hat man die Schiffe so voll gesehen. Frühzeitiges Anstellen an den Schiffsanlegern war geboten. Die weitaus meisten Besucher reisten allerdings als Tagesgäste mit dem Zug von Brescia direkt nach Sulzano an. Der Andrang zum Steg nach Ankunft am Hafen war beschwerlich und eng, vor allem als die Temperaturen zu Beginn der zweiten Woche auf gut 30° C anstiegen.

Trotzdem warteten die Menschen sehr geduldig, und es kam nur selten zu Drängeleien und bedrückenden Situationen. Brisanter war die Situation in Brescia: da die Kapazität der Piers mit 11 000 Leuten (maximale Menge der Menschen, die sich gleichzeitig auf den Piers befinden konnten) begrenzt war, wurden die Zugänge zum Kunstobjekt immer wieder gesperrt; in Folge gab es Überlastungen auf den Warteplätzen, da weitere Züge und Busse ankamen. Als Konsequenz wurden Züge in Iseo gestoppt oder in Brescia erst gar nicht losgelassen. Ähnlich verhielt es sich bei den Shuttle-Busverbindungen, die nur nach Sulzano eingelassen wurden, wenn die Bahnsteige leer waren.